Presse
Spielzeit 2025
Landshuter Zeitung 18.07.2025
Spielbericht des Verband Bayerischer Amateurtheater e. V.
Laienspielgruppe Ergoldsbach e.V.: Das Gespenst von Canterville
Frei nach Oscar Wilde | Bearbeitung & Regie: Silvia Ammer |Premiere: 21.06.2025
Die Laienspielgruppe Ergoldsbach hat sich mit „Das Gespenst von Canterville“ einen echten Klassiker geschnappt – und ihn mutig, charmant und mit einer gehörigen Portion Eigeninterpretation auf die Bühne gebracht. Von außen wirkt die umgebaute Hofstelle in Unterröhrenbach noch ganz unscheinbar, leicht alternativ – drinnen aber wartet ein liebevoll gestalteter Theatersaal mit fester Tribüne, schwarzem Bühnenhintergrund und einer Atmosphäre, die irgendwo zwischen ländlichem Charme und urbanem Kulturprojekt liegt. Ein Setting, das überraschend professionell daherkommt und perfekt ist für einen Theaterabend zwischen britischem Spuk und amerikanischem Größenwahn.
Silvia Ammer, die sowohl Regie als auch Textfassung verantwortet, verlegt Oscar Wildes Geisterkomödie klug in die 1960er-Jahre. Zwischen Vinylplatten und Stars-and-Stripes prallen in Schloss Canterville Welten aufeinander:
Die amerikanische Familie Otis begegnet dem traditionsverliebten Gemäuer mit Pragmatismus, Nationalstolz und wenig Sinn für britische Gruselkultur. Sehr zum Leidwesen von Sir Simon de Canterville, dem ruhelosen Gespenst, das zum ewigen Spuken verdammt ist. Ernst Baumann füllt diese Rolle mit einer gelungenen Mischung aus Melancholie, ironischer Distanz und sichtbarem Spukvergnügen. Die neuen Besitzer des Schlosses bringen ordentlich Chaos mit: Moritz Windstoßer steht als Mr. Hiram B. Otis mit starker Bühnenpräsenz und überzeugendem US-Akzent auf der Bühne, während seine Frau Lucretia – von Yde Butz herrlich überdreht gespielt – das bunte Treiben komplettiert. Die Kinder, Virginia, Montana und Dakota, sind mehr als nur Beiwerk: Emma Grieger, Emily Köhl und Line-Lotte Scheiet bringen Spielfreude, Witz und jugendlichen Charme auf die Bühne. Besonders schön: Die augenzwinkernde Szene, in der es heißt: „Virginia, Montana, Dakota – oder eben Stars and Stripes.“
Auch auf der Seite des alteingesessenen britischen Adels ist das Ensemble gut aufgestellt: Daniel Federmann gibt den Lord Frederic de Canterville angenehm zurückhaltend und sehr korrekt, während David Dauksch als Beau Byron de Canterville mit Dandy-Attitüde und Charme punktet. Michael Reisinger ist gleich dreifach zu erleben – unter anderem mit herrlichem britischen Akzent als Lord Alfred de Canterville und sehr treffend als Chiefinspektor Brown.
Für ordentlich britische Bodenständigkeit sorgt Antje Haschke als Haushälterin Mrs. Umney. Und wer im Publikum die meisten Lacher erntet? Ganz klar Birgit Kilic, die sowohl als Nancy, das freche Hausmädchen, als auch als Constable Miller mit komödiantischem Gespür den Nerv trifft. Sabine Kindsmüller bringt als Madame Agatha dazu noch die passende Portion Übersinnlichkeit ins Spiel. Damit ist das Stück hervorragend besetzt.
Optisch wird das Ganze durch ein aufwendig gestaltetes Bühnenbild getragen: Zweistöckig, unten der Saal mit Kamin, Tafel, alten Bildern – oben die Galerie mit den Schlafzimmern. Besonders schön: die kleinen, aber effektiven Veränderungen im Laufe des Abends, wie der Mandelbaum, der plötzlich wieder blüht oder der Grabstein, der zum Finale stimmig platziert wird.
Licht und Ton – umgesetzt von Robert Ammer und Stefan Grieger – unterstreichen die Atmosphäre insgesamt stimmig. Besonders gelungen: der technisch sauber umgesetzte Blutfleck an der Wand, der im Laufe des Abends sogar die Farbe ändert. Die musikalischen und akustischen Effekte erweitern das Spiel und wirken wunderbar passend.
Trotz der gelungenen Verle
gung in die 60er-Jahre und vieler humorvoller Details bleibt der Spannungsaufbau stellenweise etwas flach. Besonders in den Gruselmomenten fehlt es manchmal an dramaturgischer Zuspitzung, und gelegentlich schleichen sich kleinere Längen ein. Hier hätte eine konsequentere Umsetzung des Konzepts noch mehr Wirkung entfalten können.
Unterm Strich bleibt ein unterhaltsamer Abend mit einer auffallend jungen Besetzung, viel Herzblut, aufwendigem Bühnenbild und der gewohnt starken Nachwuchsarbeit der Laienspielgruppe Ergoldsbach. Ein schönes Beispiel dafür, wie Amateurtheater auch bekannte Klassiker frisch, frech und mit professionellem Charme auf die Bühne holen kann.
Landshuter Zeitung 23.06.2025
Landshuter Zeitung 13.06.2025
Spielzeit 2024
Spielzeit 2023